Die Exkursion zum Schlachteuropameister Tönnies

Aktualisiert am: 07.02.2012

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Am letzten Donnerstag fuhren die beiden Erdkunde Leistungskurse aus der 13. Jahrgangsstufe zu der größten Schlachterei Europas im benachbarten Rheda-Wiedenbrück. Dadurch, dass im Emsland und Münsterland knapp 2/3 aller Mastschweine gehalten werden, hat der Familienbetrieb Tönnies Fleisch einen hervorragenden Standort. Aber nicht nur die Anlieferung der Tiere ist sehr günstig, sondern auch der Weg zu den Konsumenten, denn über die Autobahn wird innerhalb einer halben Stunde das Ruhrgebiet erreicht.

 25.000 Schweine werden täglich, 9 Millionen jährlich an 360 Arbeitstagen geschlachtet. Innerhalb von 21 Minuten wird ein lebendes Schwein zu abgepackten, gebrauchsfähigen  Nahrungsmitteln verarbeitet. Tönnies gehört mit seinen vielen Beteiligungen zu den größten Fleischproduzenten in Deutschland aber auch in Europa. In jedem Aldi, Lidl, Rewe etc. finden wir Produkte von der Firma Tönnies unter verschiedenen Firmen wie beispielsweise Tillman’s oder Böklunder.

Am Anfang der Besichtigung saßen wir alle in einem Besprechungsraum direkt neben dem Büro von Firmenchef Clemens Tönnies, den wir später sogar noch trafen. Hier erklärte uns Diplom- Landwirt Hans Jörg Eynck, dass das Familienunternehmen Tönnies Fleisch von Bernd Tönnies 1971 gegründet wurde und rasch expandierte, so dass das Unternehmen erst zum Standort nach Herzebrock verlagert wurde, bevor 1992 der Zerlegebetrieb in Rheda-Wiedenbrück mit 400 Mitarbeitern entstand. Nach weiteren 5 Jahren kam der hochmoderne und für seine Zeit fortschrittlichste Schlachtbetrieb dazu, der seit dem immer weiter ausgebaut wird, so dass heute ca. 5.500 Mitarbeiter in Rheda-Wiedenbrück arbeiten.

 Nach einem kurzen Überblick begannen wir die Produktionskette rückwärts zu durchlaufen, hierfür mussten wir uns aus hygienischen Gründen Schutzkleidung anziehen und uns bei allen Schleusen die Hände desinfizieren. Wir starteten in der Wäscherei, wo von uns meist nur osteuropäische Wörter aufgeschnappt wurden. Die Mitarbeiter der Schlachterei kommen zu einem Großteil aus Osteuropa und verdienen mindestens 8,50 Euro die Stunde. Alle Mitarbeiter müssen sich ihre Materialien wie Messer, Schuhe etc. selbst kaufen und säubern, denn in der Vergangenheit wurde „schlecht mit dem Firmeneigentum umgegangen“ laut Herrn Eynck.

Dann gingen wir durch die Versandhalle zur Zerlegung. Dort konnten wir sehen, wie die Schlachter am Fließband in Akkordarbeit immer die gleichen Schnitte anwendeten, so dass nach 6 Minuten das fertige Produkt verpackt war. Die Zeit wird so auf ein Minimum reduziert. Alle 2 Stunden gibt es eine kleine Pause von 20 Minuten, damit alle Arbeitsplätze kurz gereinigt werden können. Insgesamt steht ein Arbeiter zwischen 9-12 Stunden am Band. Zudem werden alle Teile des Schweins verarbeitet, so dass eine optimale Produktionsmaximierung stattfindet.

 Nach der Zerlegung gingen wir zur Schlachtung. Nachdem die Tiere von ihren Mastbetrieben mit Lastwagen zur Schlachterei gebracht werden, haben sie eine Ruhepause von knapp drei Stunden in der sie mit Futter, Bodenwärme und künstlichem Regen versorgt werden, damit sie sich von der Fahrt beruhigen und ihre Glukose- Vorräte wieder aufbauen können. Anders als in normalen Schlachtbetrieben atmen die Tiere in der Gaskammer CO2 ein und werden so betäubt. Danach werden sie in die Produktionskette eingeführt und bekommen einen Schlauch in den Hals gesteckt, welcher mindestens 2,8 Liter Blut absaugt, so dass sicher gestellt werden kann, dass das Tier wirklich ausgeblutet ist. Zudem befinden sich mindestens 20 externe Veterinäre im Betrieb, welche die Schlachtung und das Fleisch  kontrollieren. Innerhalb von 12 Minuten wird das Schwein getötet. Dadurch, dass die Tiere nach der Tötung in einem heißen Wasserbad die Haut abgezogen bekommen und die Tiere aufgeschnitten werden, herrscht ein extrem stechender Geruch in der Schlachtung. Aus Höflichkeit und Respekt gegenüber den Angestellten wurde das Nasezuhalten untersagt!

In der anschließenden Gesprächsrunde vor der Mittags-Currywurst konnten wir in einem Gespräch noch weitere Fragen zum Unternehmen Tönnies stellen. Das Gespräch zeigte auf, dass Tönnies europaweit neue Maßstäbe gesetzt hat und auch in der Zukunft weiter expandieren wird um sich auf dem Weltmarkt noch stärker zu etablieren. Der derzeitige Umsatz von 4,3 Milliarden Euro soll weiter gesteigert werden.

Insgesamt war diese Exkursion ein hochinteressanter und äußerst spannender Tag, in dem wir viele Informationen über das tägliche Fleisch auf unserem Teller mitnehmen konnten.

 Vincent Marlon Lüder


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