30 Jahre deutsch-israelischer Schüleraustausch:Besuch der israelischen Delegation in Bielefeld vom 27. September bis 8. Oktober 2018

Gymnasium Heepen,  Cecilengymnasium und Helmholtz-Gymnasium Bielefeld

Techumi School of Arts and Sciences, Nahariya (Israel)

 „We are one family just speeking two languages“

 Donnerstag, 27.10.2018

Recht aufgeregt und voller Vorfreude fuhren 21 Bielefelder Jugendliche mit den Leitern des Austausches Frau Fehling, Frau Bratvogel und Herrn Miesel am Abend zum Flughafen Düsseldorf, um dort die Gäste aus Nahariya willkommen zu heißen. Etwas versteckt hinter dem bunten Willkommenstransparent ließ sich die eigene Nervosität gut verbergen. Als die Israeli dann kurz vor Mitternacht durch das Gate traten, legte sich die Unruhe rasch und die Partnerinnen und Partner begrüßten sich mit einer herzlichen Umarmung. Bei der bis in die frühen Morgenstunden dauernden Rückfahrt nach Bielefeld wurden lange und intensive Gespräche geführt.

Freitag, 28.10.2018

Um das Gruppengefühl zu stärken und viele Gesprächsanlässe zu schaffen, führte am Vormittag im Gymnasium Heepen die Kunstpädagogin Frau Hoge-Schreiber ein künstlerisches Projekt durch. Dazu waren im Vorfeld 24 weiße Papphocker mit deutsch-israelischen Symbolen beklebt, zu einer Pyramide gestapelt und mit dem auf alle Kartons übergreifenden Schriftzug „Bielefeld Nahariya 2018/2019“ beschriftet worden. Zu Beginn des Workshops erhielt nun jedes Austauschpaar einen eigenen Papp-Hocker und die  Aufgabe, diesen mit den bereitgestellten Acrylfarben künstlerisch zu gestalten. Mit großem Eifer machten sich die Jugendlichen an die Arbeit und staunten nicht schlecht, als sie einige Tage später bei der Farewell-Party die wieder zusammengebaute Pyramide sahen. Denn – trotz aller individuellen Gestaltungen – war der Schriftzug auf der Vorderseite der Pyramide gut erkennbar. Kollektivität und Individualität erfuhren hier eine gelungene künstlerische Umsetzung.

Im Anschluss begrüßte der Schulleiter des Gymnasiums Heepen Herr Neumann die Gruppe herzlich und wies auf die große Bedeutung dieser Begegnung statt, die in diesem Jahr sein bereits 30jähriges Bestehen feiern konnte. Dazu hatte die Leiterin der israelischen Delegation Frau Einat Yardon ein wunderschönes Jubiläums-Fotobuch erstellt, das übergeben wurde.

Samstag, 29.10.2018

Bei spätsommerlichen Temperaturen trafen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihrer Familie und ihren Gästen im Tierpark Olderdissen. Dies ermöglichte es, nicht nur die schöne Waldlandschaft und die Tiere zu genießen, sondern auch erste Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Besuch aus Israel auszutauschen. Alle berichteten voller Begeisterung über die Freundlichkeit und Offenheit ihrer Gäste.

Im Anschluss trafen sich viele Jugendliche im Stadtzentrum Bielefelds und feierten am Abend mit der Gruppe.

Sonntag, 30.9.2018

Der spätsommerliche Sonntag stand zur freien Verfügung in den Familien. Etliche besuchten touristische Ziele in der Umgebung und zeigten ihrem Gast den westfälischen Lebensraum. Am Abend trafen sich die meisten, um gemeinsam Zeit zu verbringen.

Montag, 1.10 .2018

Zum Beginn der Woche besuchten die israelischen Schülerinnen und Schüler verschiedene Lerngruppen des Gymnasiums Heepen. Sie hatten in Kleingruppen Ratespiele und Quizaufgaben zu Israel vorbereitet und diese medial aufbreitet. In den Stunden spielten sie sie mit den deutschen Jugendlichen mit großem Engagement und sichtbarer Freude. Es war sehr wunderbar zu sehen, mit welcher Intensität sie die deutschen Schülerinnen und Schüler für Israel zu begeistern und zur Teilnahme am Austausch zu motivieren vermochten. 

Am frühen Nachmittag wurde die Delegation von der Stadt Bielefeld im Alten Rathaus empfangen. Frau Schrader, die Bürgermeisterin der Stadt Bielefeld, stellte die Stadt und ihre Besonderheiten vor und beantwortete die zahlreichen Fragen der sehr interessierten Gäste. Im Anschluss besuchte die Gruppe das Wahrzeichen Bielefelds, die Sparrenburg und ihre Katakomben, und erfuhren Wissenswertes über die Geschichte der Burg und das Leben ihrer ehemaligen Bewohner.

Am Abend besuchten alle die Ausstellung der „Dr. Oetker-Welt“ in Bielefeld. Zunächst konnten  eine Vielzahl von leckeren Produkte dieses weltweit vertretenen Bielefelder Unternehmens verkostet werden, bevor die Jugendlichen einen Einblick in die lange Geschichte des traditionsreichen Unternehmens erhielten.

Dienstag, 2.10.2018

Die Geschichtslehrerin Frau Stippschild leitete zu Beginn des Tages einen Workshop über die Geschichte der deutschen Teilung, den Mauerfall und die Bedeutung des 3. Oktobers. Ausgehend von der Präsentation eines Videos erläuterte sie die Ursachen der deutschen Teilung und die Umstände, die zum Mauerfall führten. Mit Interesse verfolgten die israelischen Gäste die Geschehnisse und stellten Fragen, vor allem zu den unterschiedlichen Lebensweisen in Ost und Westdeutschland.

Im Anschluss fuhren die Gruppe nach Paderborn, um das größte Computermuseum der Welt, das Heinz-Nixdorf-Forum zu besuchen und im Anschluss einen Stadtrundgang durch die Innenstadt zu machen. Besichtigt wurden neben dem Paderborner Dom das Mahnmal am Ort der 1938 zerstörten Synagoge sowie der Jenny-Aloni-Gedenkstein.

Mittwoch, 3.10.2018

Dieser Tag wurde in den Familien verbracht. Es fiel den Jugendlichen nicht schwer, ein schönes Programm zu erstellen, da das Wetter wieder einmal ungewöhnlich gut war. Einige wanderten durch den herbstlich verfärbten Teutoburger Wald und gingen dann im Kletterpark am Hermannsdenkmal klettern, andere fuhren in Städte oder trafen sich mit Freunden.

Donnerstag, 4.10.2018

Am Vormittag wurde unter der Leitung von Frau Stippschild, Frau Bratvogel und Frau Bar-El die Gedenkfeier vorbereitet, die im Rahmen der Berlinreise in der Gedenkstätte „Sachsenhausen“  durchgeführt werden sollte.

Die Schülerinnen und Schüler wählten aus dem Handbuch „Gemeinsam Erinnern – Brücken Bauen“ sie ansprechende Texte aus, wie z. B. das Gedicht „Jeder Mensch hat einen Namen“ von Zelda Mischkowski, den Text „In der Tiefe“ von Primo Levi, das Gedicht „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer sowie den Text „Die Puppe Sarina“ von Anda Amir-Pinkerfeld und sprachen ab, welche Texte auf hebräisch, auf englisch oder auf deutsch gelesen werden sollten. Anschließend übten sie es, die Texte intensiv zu lesen bevor bei einer gemeinsamen Probe der Detailverlauf der Gedenkfeier abgestimmt wurde. Die  Texte wurden anschließend zu einem Reader zusammengestellt und für alle kopiert. Wichtig war den Schülerinnen und Schülern, dass jedes Paar eine Kerze anzünden und eine Rose niederlegen sollte.

Im Anschluss fuhr die israelische Gruppe nach Detmold. Dort besuchten sie Orte, die an das jüdische Leben in Detmold erinnern. Sie sahen den Gedenkstein für die Ehemalige Synagoge in der Lortzingstraße, die in der Exterstraße gelegene Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus, das ehemalige Wohnhaus eines jüdischen Lehrers, an dessen Hausfassade im Rahmen von Renovierungsarbeiten eine hebräische Inschrift freigelegt wurde und die die israelischen Jugendlichen zu entziffern wussten, sowie die Gedenktafel der ehemalige Mikwe. Im Anschluss nahmen alle an einer Führung im Detmolder Schloss teil, wo die Jugendlichen einen Einblick in die Geschichte Lippes gewannen.

Direkt nach der Rückkehr nach Heepen fand in der Aula des Gymnasiums die fröhliche Farewell-Party statt. Eltern hatte Speisen vorbereitet, die von den Teilnehmern gestaltete Pyramide aus Papphockern wurde gemeinsam aufgebaut und etwas später wurde wild getanzt.

Freitag, 5.10.2018

Am frühen Morgen brach die gesamte Gruppe mit dem Bus nach Berlin auf, denn das Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten Frau Kerstin Griese – das den ersten Höhepunkt der Exkursion  bilden sollte – musste pünktlich erreicht werden. Frau Griese empfing die Gruppe im wunderschönen Europa-Saal im Paul-Löbe-Haus. Zunächst sprach sie von ihrem langjährigen Engagement für die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sowie zwischen Deutschland, Israel und Palästina. So arbeitet sie u. a. seit vielen Jahren im Willy-Brandt-Center in Jerusalem mit, wo die Partei versucht, den Dialog zwischen Israeli und Palästinensern zu verbessern. Im Anschluss an die sehr interessanten und informativen Ausführungen von Frau Griese stellten die Jugendlichen eine Vielzahl von Fragen, die sie mit großer Kompetenz beantwortete.

Am späten Nachmittag besichtigte man das Reichstagsgebäude. Bei der Begleitung durch das Gebäude erhielten die Jugendlichen nicht nur intensive und spannende Einblicke in seine Geschichte und Architektur, sondern auch in die Arbeitsweise des Deutschen Bundestages und in die Werte unserer Demokratie. Von der Kuppel aus hatte man zudem einen faszinierenden Blick auf das abendlich beleuchtete Berlin.

Samstag, 6.10.2018

Am Samstag besuchte die Gruppe das Jüdische Museum. Dort nahmen sie an Führungen zu den Themen „Deutsche Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus“ sowie zur Sonderausstellung „Jerusalem“ teil, bevor das Museum eigenständig erkundet wurde. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich sehr beeindruckt von der Architektur des Museums, seiner Symbolik und seines Ausstellungskonzepts.

Nach der Mittagspause in der Berliner Innenstadt nahe den Hackeschen Höfe, besuchte die Gruppe die „Gedenkstätte Tränenpalast“ und erhielt dort im Rahmen einer Begleitung differenzierte Informationen über die deutsche Teilung und die Wiedervereinigung.

Sonntag, 7.10.2018

Am Vormittag fuhr die Delegation zur „Gedenkstätte Sachsenhausen“ in Oranienburg. Dort wurde die Gruppe von Guides sachkundig über das Gelände begleitet und die Schülerinnen und Schüler spürten den Unmenschlichkeiten der Nationalsozialisten nach. Im Anschluss wurde an der Station Z die gemeinsame Gedenkfeier durchgeführt. Bewegende Texte wurden gelesen, Kerzen wurden entzündet und auf dem Davidstern Rosen niedergelegt. Aufgrund der stark emotionalen Atmosphäre werden diese Momente in aller Gedächtnis bleiben. Nach der Gedenkfeier fielen sich die Austauschteilnehmer in die Arme, Freundschaften wurden durch dieses gemeinsame Erlebnis intensiviert.  

Am Nachmittag besichtigte die Gruppe noch weitere wichtige Sehenswürdigkeiten bzw. Gedenkstätten Berlins. Die deutschen Schülerinnen und Schüler hatten dazu eine Informationsbroschüre in englischer Sprache erstellt. Zunächst fuhr man zur Gedenkstätte Bernauer Straße, wo man von einem Turm aus auf Überreste der Maueranlage blicken kann, im Anschluss zur East Side Gallery, um die Kunstwerke auf dem langen Mauerabschnitt zu betrachten und zum Schluss zum „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“. Beim Durchgang durch die wie kalte Grabsteine wirkenden Stelen empfanden alle deutlich die durch die Architektur unmittelbar ausgelösten Gefühle wie Verunsicherung, Kälte und Orientierungslosigkeit.

Montag, 8.10.2018

Am letzten Tag des Austausches besuchten die Jugendlichen die Gedenkstätte „Haus der Wannseekonferenz“ und wurde dort von sehr fachkundigen Referentinnen durch die Ausstellung begleitet. Im Anschluss hatten sie – wie jedes Jahr – ein gemeinsames und den Austausch abschließendes Gespräch, das von den Guides moderiert wurde. Die Jugendlichen sprachen über ihre Eindrücke, die die Ausstellung auf sie gemacht hatte. Sie berichteten, welche Informationen für sie neu waren und welche neuen Erkenntnisse sie gewonnen hatten.

Abschließend sprach man über die Begegnung zwischen den deutschen und israelischen Jugendlichen. Alle zeigten sich begeistert von dem Austausch und sagten, dass sie sehr gute Freunde geworden und sich sehr nahe gekommen sind. Schorn, 17 Jahre aus Nahariya, formulierte es so: „We are one family, just speeking two languages“. Dementsprechend tränenreich gestaltete sich einige Stunden später der Abschied.  (Andrea Fehling)

Der Gegenbesuch in Israel wird im April 2019 stattfinden.

!בנהריה ולהתראות שלום

Schalom und auf Wiedersehen in Nahariya!

Einige Schüleräußerungen:

„Ich bin glücklich, am Israel-Austausch teilgenommen zu haben, weil ich dort viele neue und tolle Menschen kennenlernen durfte. Und zudem eine wirklich unvergessliche Zeit mit ihnen verbracht habe. Ich habe viel Neues über die israelische Kultur gelernt und festgestellt das diese zwar schon einige Unterschiede zu unsere aufweist, aber die Menschen dort im Großen und Ganzen genauso sind wie wir hier in Deutschland auch.“ (Leonie)

„Ich fand alles was wir mit den Israelis gemacht haben richtig cool. Wir hatten auch unter uns sehr viel Spaß.  Es war eine tolle Erfahrung in meinem Leben. Ich freue mich schon auf Israel.“ (Liam)

„Der Austausch hat super viel Spaß  gemacht, obwohl es auch mal sehr anstrengend werden konnte. Ich hätte niemals gedacht, dass die Austauschschüler nach so einer kurzen Zeit, einen Platz in meinem Leben einnehmen könnten. Ich freue mich auch schon sehr sie nächstes Jahr besuchen zu können. Also kann ich den Austausch jedem ans Herzen legen.“ (Nicole)

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