Reisebericht Chinaaustausch 2013
Montag, 4. Oktober 2013

Nun war es endlich soweit: Am Montag starteten wir unsere Reise in das mehr als 8000 km entfernte China. Unser erstes Ziel war die Hauptstadt Peking, in der wir uns drei Tage aufhalten würden. Von Bielefeld fuhren wir zunächst zum Flughafen Hannover, von wo aus wir über München nach Peking flogen. Insgesamt waren dies ungefähr zehn (!) Flugstunden, die wir aber alle gut überstanden.
Dienstag, 5. Oktober 2013
Doch recht erschöpft erreichten wir am Vormittag unser lang ersehntes Ziel. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel begannen wir mit dem umfassenden Besichtigungsprogramm im spätsommerlichen Peking: Zunächst fuhren wir zum Himmelstempel, eines der beeindruckendsten Bauwerke Pekings. Die chinesische Baukunst unterscheidet sich sehr stark von der europäischen! Abends mussten wir dann beim Abendessen zum ersten Mal unter Beweis stellen, wie virtuos wir mit den Essstäbchen schon jetzt umgehen konnten.
Mittwoch, 6. Oktober 2013

Heute wurde der „Platz des himmlischen Friedens“ (Tiananmen-Platz) besichtigt. Da aufgrund des chinesischen Nationalfeiertags Ferien waren, fanden wir uns in einer riesigen Menschenmasse wieder. Zu unserer Verwunderung schienen wir ein sehr beliebtes Fotoobjekt zu sein, da wir sehr oft darum gebeten wurden, uns für ein Foto gemeinsam mit Chinesen aufzustellen. Anschließend besuchten wir „Die verbotene Stadt“, die uns vor allem durch ihre Größe beeindruckte, da sie sich über mehrere große Plätze bzw. Höfe erstreckt, die alle durch tempelartige Gebäude miteinander verbunden sind. Später fuhren wir noch zur „Silk Street“, einem riesigen Kaufhaus in dem man sehr günstige Markenmode erwerben kann. Wichtig aber ist das Handeln! Am Abend besuchten wir die „The Flying Acrobatic-Show“, eine beeindruckende akrobatische Vorführung mit teilweise so gefährlichen Darbietungen, so dass man kaum traute hinzuschauen.
Donnerstag, 9. Oktober 2013
Am letzten Tag in Peking stand die Begehung der Chinesischen Mauer auf dem Programm. Vor uns lagen insgesamt mehr als 5.000 Stufen, die auf Fotos längst nicht so anstrengend wirken, wie sie in Wirklichkeit sind. Nach einer tüchtigen Anstrengung waren wir letztendlich aber alle stolz, dass wir dieses kolossale Bauwerk erklommen haben! In der Nacht fuhren wir dann gemütlich im Liegewagen eines modernen Schnellzugs nach Shanghai, wo wir nun knapp zwei Wochen verbringen würden.
Freitag, 8. Oktober 2013
Am frühen Morgen erreichten wir unser Ziel Shanghai. Obwohl wir alle von der Fahrt erschöpft waren, waren wir überwältigt vom ersten Eindruck, den die quirlige Stadt auf uns machte: riesige Hochhäuser soweit das Auge reicht, ein Gewirr von Straßen z. T. auf mehreren Ebenen gelagert, eine Fülle von Autos, Fahrrädern und Rollern, Menschenmengen überall. Und als wir unser Ziel, die Shibei-High-School erreichten waren wir wiederum überwältigt: das moderne und sehr große Schulgebäude war von zahlreichen bunten Fahnen geschmückt und leuchtet in der Morgensonne. Nach einer kurzen Begrüßung durch den politischen Leiter der Schule wurden wir in der Mittagspause unseren chinesischen Partnern vorgestellt, bei denen wir in den nächsten 14 Tagen zu Gast sein durften. Diesem Moment hatten wir alle nervös und gespannt entgegengefiebert! Nachmittags fuhren wir zum Hauptplatz Shanghais, dem „Peoples Square“, wo wir uns von dem bunten Stadtleben bereits einen guten Eindruck machen konnten. Erst gegen 18 Uhr trafen wir erneut mit unseren Partnern zusammen, denn erst dann – wie auch an den Folgetagen – endete ihr Schultag!! Wir fuhren mit ihnen nach Hause – z. T. noch mehr als 50 Minuten lang mit der Metro! Den Abend verbrachten wir in unseren Gastfamilien, die uns mit einem traditionellen, sehr leckeren und üppigen Mahl verwöhnten. Erschöpft fielen wir ins Bett bzw. aufs ‚Brett’, da nicht überall Matratzen verwendet werden.
Samstag, 9. Oktober 2013

Auch am Samstag fand ausnahmsweise Unterricht statt, da der aufgrund der Nationalfeiertage ausgefallene Unterricht nun nachgeholt werden musste. Am Vormittag hatte unsere Gruppe einen Sonderunterricht: Wir wurden im Tai Chi unterrichtet und bemühten uns, die weichen Bewegungen nachzumachen oder das Schwert kunstvoll zu führen.m_SAM_0177 Am Nachmittag fuhren wir zum Bund, der berühmten Uferpromenade am Huangpu River. Nachd chen, wie z. B. den Orientel-Pearl-Tower, den Jin Mao Tower oder den „World Financial-Tower“ bewunderten, die alle im modernen Stadtteil Pudong liegen ist, besuchten wir anschließend einige historische Gebäude der Kolonialzeit, wie z. B. die alte Gutzlaff-Wettersignalstation – wo wir bei einem leckeren Café die Aussicht genossen -, den ‚Shanghai Club’ mit der ehemals längsten Theke der Welt, sowie die „Bank of China“ mit ihrer prächtigen Art-Déco-Eingangshalle.
Sonntag, 10. Oktober 2013 – Familientag
Der Sonntag stand für Unternehmenen in den Familien zur Verfügung. Einige der Gruppe fuhren in die Stadt, andere aber trafen sich mit der chinesischen Verwandtschaft und erlebten hier die chinesische Gastfreundschaft aufs Neue.
Montag, 11.Oktober 2013
An diesem Morgen fand Musikunterricht statt. Uns wurden typische chinesische Musikinstrumente vorgestellt, wie z. B. die Erhu (chinesische Geige) oder aber die chinische Zither (Guzheng) . Einige chinesische Schüler zeigten, wie virtuos sie damit musizieren konnten. Wer es sich dann zutraute, durfte ausprobieren, wie man damit spielen kann. All diese Instrumente sind sehr faszinierend, auch wenn ihr Klang für unsere Ohren recht ungewohnt ist. Am Nachmittag fuhren wir zum ‚Insekten- und Blumenmarkt’, wo wir einen Einblick in für uns völlig fremde Tierhaltung von Grillen bekamen und spazierten anschießend durch die verwinkelte Altstadt Shanghais zum reizvollen Yuyuan-Garten. Aufgrund der zahlreichen Windungen, der vielen Wände, Steinberge und Bäche, wodurch sich stets neue Ausblicke ergeben, wirkt dieser mitten im Stadtzentrum gelegene Garten viel größer als er ist – er umfasst nur 2 Hektar!
Dienstag, 12.Oktober 2013
Auch am Dienstag hatte wir Sonderunterricht. Wir bauten einen eigenen Drachen zu bauen. Drachen prägen in gewisser Weise das Bild Shanghais, denn man sieht sie oft in atemberaubender Höhe am Himmel gleiten. Eine chinesische Lehrerin zeigte uns, wie man sie so konstruiert, dass sie nicht nur gut aussahen, sondern auch gut fliegen. Wir konnten die Drachen beliebig malerisch gestalten. In der Frühstuckspause spielten unsere Jungen mit großem Einsatz gegen ein chinesisches Basketballteam bestehend aus einigen Schülern der Shibei-School. Dabei wurden beide Teams gleichermaßen von den Zuschauern kräftig angefeuert.Anschließend besichtigten wir das ‚Urban Planing Museum’ (Stadtplanungsamt) am ‚Peoples Square’. Dort befinden sich zahlreiche Modelle der Bauten Shanghais sowie viele historische Bilder und Filme über die Stadt. Es ist sehr interessant, so die Stadtentwicklung Shanghais nachzuvollziehen und zu verstehen, wie sich das ehemals kleine Fischerdorf zu einer hoch industrialisierten und modernen Stadt entwickelt hat. Und der Bau eines weiteren, den derzeitig höchsten, fast 500 Meter hohen „World Financial-Tower“ um viele Meter überragenden Turms ist bereits begonnen! Eine gesamte weitere Etage füllte ein Modell der Stadt Shanghais aus, wo sämtliche Gebäude maßstabsgetreu nachgebaut sind.
Anschließend besuchten wir das ‚Shanghai Museum’. Dort finden sich sehr alte Ausstellungsgegenstände wie z. B. Statuen, Vasen, Töpfe, alte Waffen und Werkzeuge. Ebenso sahen wir viele traditionelle Kleider und die für die Peking Oper typischen Masken der Darsteller. Nach einem Bummeln durch die „Nanjing-Street, die Haupteinkaufsstraße der Stadt trafen wir uns wieder mit unseren Gastschülern in der Schule. Aufgrund ihrer Prüfungen, endete für sie der Unterricht auch heute erst um 17.45 Uhr!!
Mittwoch, 13. Oktober 2013

In unserem Sonderunterricht lernten wir den Ursprung und die Bedeutung einiger chinesischen Schriftzeichen kennen, wie z. B. das Zeichen für Mensch oder für Sonne. Nach der Mittagspause fuhren wir zum „Jade Buddha Tempel“, des wichtigsten buddhistischen Tempel der Stadt. m_Shanghai TempelDort roch man sofort den typischen Geruch der Gebetsräucherstäbchen, deren ‚Nebel’ den gesamten Hof einhüllten. Natürlich konnten einige der Gruppe es sich nicht entgehen lassen, ebenfalls zu ‚räuchern’! Aus den kunstvoll errichteten Tempelgebäuden vernahm man ein Summen der Mönche, die dem Gebet nachgingen, das ab und zu von dem sanften und dunklen Klang einer Glocke unterbrochen wurde. In den Tempelgebäuden ließen sich verschiedene Buddha-Statuen bewundern. Die größte und prächtigste davon ist die Jade-Buddha-Statue, ein etwa vier Meter großer friedlicher Buddha aus edelstem Jade.
Donnerstag, 14.Oktober 2013
Am Donnerstag morgen starteten wir schon sehr früh in Richtung Expo – doch mit Hindernissen, denn die Metro war so überfüllt, dass zunächst kein Einsteigen möglich erschien! Erst nach mehreren Versuchen konnten wir alle mitfahren. Am Eingang zur Expo war es ebenso voll, und erst nach über einer Stunde Schlange stehen und gründlicher Personenkontrolle betraten wir das riesige Expo-Gelände. Mit großer Vorfreude auf den Besuch des riesigen chinesischen Pavillons, stiegen wir in einen Shuttlebus, der uns dorthin brachte.

Am Chinapavillon aber erwartete uns dann die nächste Überraschung: Um Einlass zu finden hätte man drei (!) Stunden warten müssen. Und dazu war nun keiner bereit. Auch der Versuch, als VIP-Gäste getarnt, durch den Hintereingang einzutreten, misslang. Daher trennte sich die Gruppe und trag sich nachmittags am deutschen Pavillon wieder. Dort konnten wir glücklicherweise eine Führung durch die Ausstellung erhalten! Der deutsche Pavillon, die Balancity“ ist sowohl von außen als auch von innen sehr gelungen. Die informative Ausstellung zeigt ein sehr gutes Bild von Deutschland, seiner Wirtschaft, seiner Kultur und Geschichte. Alles war sehr beeindruckend, wobei die riesige 3 Meter im Durchmesser messende schwingende und mit tausenden von LEDs besetzte Kugel in der „Energiezentrale“ sicherlich den Höhepunkt bildete. Während einige von uns im Anschluss deutsche Spezialitäten im bayrischen Restaurant probierten, versuchten andere noch weitere Pavillons zu besuchen, was aber oftmals nicht so einfach war. Um 17 Uhr fuhren wir sehr erschöpft, aber zufrieden zurück zur Schule. Alles in allem war dies ein wirklich schöner Tag .
Freitag, 15.Oktober 2013
Am Vormittag versuchten wir, chinesische Schriftzeichen zu zeichnen – aber so richtig wollte dies uns nicht gelingen, obwohl sich unser Lehrer große Mühe gab, genau zu zeigen, wie der Pinsel exakt gehalten werden muss, in welche Richtung der Strich gehen muss, welche Bewegung wann ausgeführt wird usw. Uns wurde schnell klar, dass Kalligraphie eine wahre Kunst ist! Am Nachmittag besuchten wir das „Technische Museum“, das wir nach einer rasanten Taxifahrt – natürlich ohne Sicherheitsgurt – erreichten. Hier gab es vieles zu erkunden, wie zum Beispiel die Tier- und Pflanzenwelt, den Weltraum oder den Menschen. Alles ist recht spielerisch dargestellt, wodurch sich der Besuch für Jung und Alt gut eignet. So konnte man z. B. vergnüglich mit einer Bahn durch einen nach- gebildeten Verdauungstrakt fahren, Erfahrungen mit der Schwerelosigkeit sammeln oder aber in einem 4D-Kino Filme wirklich hautnah erleben.
Samstag, 16.Oktober /Sonntag, 17. Oktober 2013
Am Familiewochenende bot sich Gelegenheit, den Tag etwas ruhiger zu beginnen. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit den traditionellen chinesischen Teigtaschen (Dumpling), fuhren einige von uns mit der Familie in den Qinggong Forest Park, dem zweitgrößten, im Norden Shanghais gelegenen Park. Während man hier ein Picknik auf einer Wiese machen kann, durch den Wald spazieren gehen oder angeln kann, ist dieser Park auch ein Freizeitpark: Man kann hier ebenfalls mit in einer Achter- und einer Wasserrutschbahn vergnügen oder auch Kartfahren, was besonders schön war, obwohl in China Sicherheitsvorschriften nicht zu existieren scheinen. So fand die rasante Fahrt ohne Helm und ohne Gurt statt. Manche von uns hatte die Gelegenheit, am Abend die glitzernde und bunte Lichterwelt der Skyline der Stadt vom Bund aus zu bewundern oder aber noch einmal das Expogelände zu erkunden. An diesem Tag war er aber etwas voller als sonst: man zählte (nur) 1,2 Millionen Besucher…
Manche aber erlebten am Wochende nicht so viel – denn da einige chinesische Schüler noch weiteren Unterricht hatten oder mit Hausaufgaben beschäftigt waren, bliebt nicht so viel Zeit für Unternehmungen mit dem deutschen Gast.
Montag, den 18. Oktober 2013

Heute begann der Tag mit einer öffentlichen Vorführung der Lehrer, die zur Freude der Schülerinnen und Schüler Thai-Chi sowie einen Fächertanz vorführten. Die Schüler spendeten großen Applaus! Im Anschluss hatten wir die Gelegenheit, im regulären Unterricht der chinesischen Schüler zu hospitieren. Unsere Eindruck war einhellig: Auf Dauer – bitte für uns nicht! Denn es gibt nur Frontalunterricht, bei dem sich die Schüler völlig passiv verhalten und lediglich mitschreiben. Eine mündliche Beteiligung gibt es nicht! Im Anschluss erhielten wir eine Powerpoint-Präsentation über verschiedene chinesische Tänze. Jede Region Chinas hat ihren eigenen Stil ausgeprägt, der auch heute noch lebendig ist.
Der Höhepunkt des Tages war dann der Besuch des „Oriental Pearl-Towers.“ In wenigen Sekunden erreichten wir mit dem Fahrtstuhl eine Höhe von 260m Metern und konnten über Shanghai blicken. Ein eindrucksvoller Ausblick über die leider durch Wolken und Smog leicht eingetrübte Stadt!
Dienstag, 19. Oktober 2013
Heute fand ein Tagesausflug in die Wasserstadt Tong Li statt. Nach einer einstündigen Fahrt durch das Umland Shanghais erreichten wir den malerischen Ort, wo zahlreiche Kanäle die Stadt durchziehen. Wir bummelten durch die engen Gassen und besuchten eine Ausstellung zu Holzschnitzereien.
Mittwoch, 20.Oktober 2013
Am Vormittag bestand zum letzten Mal die Gelegenheit, in einem ‚Fake Market’ von Shanghai günstige Geschenke – vielleicht schon für Weihnachten – zu erwerben. Auch hier musste man hart handeln, um einen guten Preis zu bekommen – doch nicht selten kann man dann etwas zum ¼ seines Ausgangspreises erwerben! Manch einer aber wurde auch in einen kleinen Nebenraum geführt, wo das das besonders zähe Verhandlungsgespräch stattfand. Nach einer kurzen Verabschiedung in der Shibei-School trafen wir uns an der Maglev, der Magnetschwebebahn , mit der wir mit 430 Stundenkilometer zum Flughafen gebracht wurden. Nach einem langen Reise, die über 14 Stunden lang dauerte, erreichten wir alle wohlbehalten, aber müde, das verregnete und herbstlich eingetrübte Bielefeld.
Insgesamt war diese Fahrt eine sehr eindrucksvolle Reise, die uns einen neuen Blick nicht nur auf andere Kulturen, sondern auch auf unsere ermöglicht hat.
